Stephanie Kuhlmann
Reise

Jagdschloss Gelbensande

Zeugnis deutsch-russischer Geschichte: eine Residenz der Mecklenburgischen Landesfürsten

Geplant als gemütliches Sommerhaus für die Familie und kleine Jagdgesellschaften verfügt das am östlichen Rand der Rostocker Heide gelegene Domizil über kleine Räume, die nicht zum Repräsentieren vorgesehen waren. Herzogin Anastasias Vater ließ russische Stilelemente in das Gebäude integrieren.

Malerisch gelegen in der Rostocker Heide: Jagdschloss GelbensandeMalerisch gelegen in der Rostocker Heide: Jagdschloss Gelbensande

Friedrich Franz, geboren am 19. März 1851, als Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. übernahm 1883 die Regierungsgeschäfte als Friedrich Franz III. von Mecklemburg-Schwerin. Anastasia Michailowna Romanowa, Tochter des Großfürsten Michail Nikolaewitsch Romanow wurde am 28. Juli 1860 geboren und war die Enkelin des Zaren Nikolaus I. von Russland. Die Beiden heirateten am 24. Januar 1879 im Winterpalais in St. Petersburg. Die Jungvermählten hielten am 8. Februar 1859 ihren Einzug in Schwerin. Sie bekamen drei Kinder: Alexandrine, Friedrich Franz und Cecilie.

Großherzog von Mecklemburg-Schwerin, Friedrich Franz III., ließ das Jagdschloss Gelbensande 1885/86 durch den Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel errichten. Da sich Herzogin Anastasias Vater an der Finanzierung beteiligte und er sich selbst hier aufhalten wollte, wurden einige Änderungen am Ursprungsobjekt vorgenommen. In Anlehnung an russische Schlösser und Bojarenhäuser ließ er die hölzerne Überdachung des Haupteinganges errichten und an verschiedenen Stellen des Gebäudes den russischen Zarenadler als Zierelement hinzufügen.

Einer der Schlosshöhepunkte war 1904 die Verlobung der Herzogin Cecilie mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Cecilie schreibt in ihren Erinnerungen: „In früheren Zeiten kamen mein Großvater oder die Brüder meiner Mutter alljährlich aus Russland zur Brunftzeit des Rotwildes nach Gelbensande.“

Seit dem frühen Tod ihres Mannes am 10. April 1897 widmete sich Anastasia haupsächlich der Erziehung ihrer Kinder auf Gelbensande. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Situation für die Großherzogenwitwe als nahe Verwandte des russischen Zaren in Deutschland unerträglich, sodass sie ihren Wohnsitz an die französiche Mittelmeerküste nach Cannes in die „Villa Wenden“ verlegte.

(Quellen: „Das Jagdschloss Gelbensande. Residenz der Mecklenburgischen Landesfürsten. Förderverein Jagdschloss Gelbensande e. V., Texte Wilfried Steinmüller“ sowie ausgewählte Schautafeln des Museums)

Adresse:
Jagdschloss Gelbensande
Am Schloss 1
18182 Gelbensande

Weitere Informationen unter:
museum-jagdschloss-gelbensande.de

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