Stephanie Kuhlmann
Gesellschaft

Schloss Eichmedien

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht: Nakomiady empfängt seit dem Frühjahr Übernachtungsgäste

Als der polnische Unternehmer Piotr Ciszek das Schloss im heutigen Nakomiady im polnischen Masuren ersteigerte, war es dem Verfall nahe. Er ließ eine Kachelofenmanufaktur nach altem Vorbild aufbauen und refinanzierte damit die Renovierungsarbeiten. Die Familie von Redecker, denen das Schloss bis vor dem Krieg gehörte, verfolgte den Fortschritt mit Spannung. Heute ist es zu neuer Schönheit erwacht und empfängt Gäste. Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Buche: Beide Familien verbindet außerdem eine intensive Freundschaft.

v.l.n.r.: Christian von Redecker, Piotr Ciszek und Wolf von Lojewski in Eichmedien / Nakomiadyv.l.n.r.: Christian von Redecker, Piotr Ciszek und Wolf von Lojewski in Eichmedien / Nakomiady

Der pensionierte Lehrer Christian von Redecker, der jüngst einen Vortrag im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg hielt, ist mit Eichmedien tief verwurzelt. Es war ein Dorf im Kreis Sensburg in Ostpreußen, 70 km östlich von Allenstein gelegen. Die Geschichte des Schlosses liegt weitgehend im Dunkeln. Unklar ob es 1653, 1680 oder erst 1706 fertig gestellt worden ist. Christian von Redeckers Familie gehörte Eichmedien von 1789 bis 1930. Nach der Weltwirtschaftskrise musste es zwangsversteigert werden und wurde mit einem Rückkaufsrecht versehen. Doch dazu kam es nicht mehr, es folgten geänderte Gesetze durch die Nazis und Anfang 1945 die Flucht in den Westen. Wie so viele historische Gebäude erlitt auch Eichmedien (heute Nakomiady) das Schicksal des Verfalls über die Jahrzehnte hinweg. Wurde es zunächst für staatliche Zwecke genutzt, Renovierungsarbeiten begonnen und wieder eingestellt, stand es schließlich zehn Jahre lang leer. Eberhard von Redecker, Christians Vater, besuchte seine Heimat seit 1972 über achtzig Mal. Er versuchte auf vielfache Weise, das Haus zu retten.

Rettung des Schlosses

1998 fand das Schloss schließlich einen Liebhaber, der sich damit einen Kindertraum erfüllte. Piotr Ciszek, der in Warschau eine PR-Agentur betrieb, ersteigerte es für umgerechnet hunderttausend Euro. Kurz darauf erhielt Christian von Redecker, der sich gerade in Masuren aufhielt, den Anruf. Danach ging alles recht schnell. Die Männer trafen sich in Nakomiady, Ciszek und sein Freund kamen zu Familie von Redecker nach Deutschland. Viele Jahre der Ungewissheit aber auch des regelmäßigen Austauschs folgten. Würde Ciszek das Schloss retten können? Die Familie von Redecker half mit alten Architekturplänen. Der junge Pole schuf nicht nur Arbeitsplätze im 700-Seelen-Dorf, sondern trat auch als Wohltäter auf. So bezahlte er etwa ein Ferienlager an der Ostsee. Es ging voran. Zunächst ließ er Miniatur-Kachelöfen nach altem ostpreußischem Vorbild produzieren, dann Fliesen und schließlich große Kachelöfen. Die Einnahmen flossen in die Renovierung des Schlosses. Er kaufte außerdem 170 ha hinter dem Park, und schuf einen Barockgarten.

Wolf von Lojewski drehte in Nakomiady für „Meine Heimat – Deine Heimat“

Der Fortschritt konnte sich sehen lassen, sodass recht bald das deutsche Fernsehen aufmerksam wurde. Wolf von Lojewski, der in seinem Dokumentarfilm „Meine Heimat – Deine Heimat“ über die heutigen Länder im ehemaligen Ostpreußen berichtet, drehte dafür auch einen Beitrag in Eichmedien / Nakomiady. In dem gleichnamigen Buch wurde er ebenfalls aufgenommen. „Wir leben hier und sind verantwortlich für die Kulturgüter der Region, egal, ob sie ehemals von Deutschen oder Polen geschaffen wurden“, betonte Piotr Ciszek vor der Kamera.

Eine deutsch-polnische Freundschaft

Er und Christian von Redecker fühlen sich wie Brüder. Sogar seine Mutter sagte eines Tages zu dem jungen Polen: „Du bist wie ein Sohn für mich.“ Die Wiederauferstehung des Schlosses ist nicht nur die Restaurierung eines Gebäudes aus alter Zeit, es ist weit mehr. Piotr Ciszek und Christian von Redecker mit ihren jeweiligen Ehefrauen verbindet eine tiefe Freundschaft. Sie kennen die Geschichte und blicken voller Hoffnung in die Zukunft. Eine alte Esche im Garten wurde anlässlich des 95. Geburtstags des Vaters auf seinen Namen getauft, damit er dort immer verwurzelt bleibe, so Ciszeks Frau Johanna. „Das Eichmedier Schloss steht heute so prächtig da wie noch nie“, freut sich Christian von Redecker und fordert dazu auf, es sich mit eigenen Augen anzusehen. Das Schöne: Neun Apartments warten seit dem Frühjahr auf Besucher.

Weitere Infos unter:
www.nakomiady.pl

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