Sommernacht auf Russisch

Zwei Wochen Moskau – und damit Abstand zu Deutschland und zu ihrem untreuen Freund. So sehr hatte sich Carolin Zier (29) auf diese Reise mit ihrem Großvater gefreut, doch dann hat er plötzlich einen Herzinfarkt. Zwar erholt er sich gut, aber ehe er eine so weite Reise machen kann, muss er erst einmal medizinisch betreut werden. Aus Solidarität will auch Carolin die Reise nicht mehr machen, doch der Großvater drängt sie, auf ihn keine Rücksicht zu nehmen, zumal Carolin den Ortswechsel gerade jetzt dringend gebrauchen könnte.

Den letzten freien Platz an einer Moskauer Sprachschule deutet sie als einen Wink des Schicksals und entscheidet sich tatsächlich, allein zu reisen – sogar für ganze vier Wochen.

Die ersten Erlebnisse in Moskau sind nicht dazu angetan, sie für Land und Leute einzunehmen: Sie fühlt sich in der ebenso lauten wie schnelllebigen Stadt sehr verloren, und auch zu ihrer Gastmutter Oksana Markowa (59) findet sie zunächst keinen Zugang. Dann aber erkennt sie, dass hinter Oksanas rauer Art ein großes Herz steht, und lernt Maksim kennen, der ihr das andere Moskau zeigt, das Moskau der verträumten Lebenskünstler. Je öfter Carolin mit Maksim zusammen ist, desto mehr fühlt sie sich zu dem scheuen jungen Mann hingezogen. Sie hat das Gefühl, dass es ihm genauso geht, aber dennoch bleibt stets eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen. Sie mutmaßt, dass er für seine Ex-Freundin Sonja noch mehr empfindet, als er zugibt.

Oksana rät ihr, nicht vor der Liebe davonzulaufen und den Moment zu genießen, weil man ohnehin nicht weiß, was morgen kommt. Sie selbst bereut noch heute, dass sie als junge Frau so zögerlich gewesen war und die Bitte ihres damaligen Freundes Aljoscha, mit ihm nach Amerika zu fliehen, aus Angst vor einem unbekannten Leben abgelehnt hat.

Als Oksana ihr anvertraut, dass sie das Gefühl hat, Aljoscha vor kurzem in Moskau gesehen zu haben, bedrängt Carolin sie, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Oksana fährt in ihre Datscha-Siedlung, wo auch Aljoschas Holzhaus noch immer steht. Am See lässt sie ihren Gefühlen endlich freien Lauf und weint über ihr Kind, das sie damals hat abtreiben lassen. Maksim, der dort geangelt hat, kümmert sich um sie. Er reagiert ungewöhnlich betroffen. Ein Wochenende später trifft sie Aljoscha tatsächlich. Sofort leben zwischen ihnen die alten Gefühle auf, doch Oksana spürt auch, dass Aljoscha etwas vor ihr verbirgt. Nachdem das Vertrauen neu erwacht ist, gesteht er ihr seine schwere Krankheit. Oksana ist bestürzt, will aber mit ihm für das Leben kämpfen.

Auch Carolin wagt jetzt, ermutigt durch Oksanas Ratschlag, Maksim bei einem Wochenende im Landhaus seines Freundes Dima ihre Empfindungen zu zeigen. Seine Blicke berühren sie auf eine Art, wie sie es noch nie bei einem Mann erlebt hat. Doch obwohl die Anziehung zwischen ihnen spürbar ist, lässt er nichts als einen Kuss zu.

Oksana arrangiert ein Treffen mit Aljoscha und Maksim, doch auch er kann nicht herausfinden, was sich hinter Maksims Zurückhaltung verbirgt. Da Carolin am nächsten Tag nach Deutschland zurückreisen muss, ist dies zugleich auch ihre vorerst letzte Begegnung mit Maksim. Die Verabschiedung ist kurz und Carolin kämpft gegen ihre Tränen.

Zurück in Hamburg versucht sie, Maksim zu vergessen, und als sie endlich anfängt, ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden, bekommt sie plötzlich eine E-Mail von ihm, in der er sich dankbar für die schönen gemeinsamen Momente zeigt, von denen er gern noch mehr erleben würde. Erfreut antwortet sie ihm, woraufhin Funkstille herrscht. Carolin ist enttäuscht, versucht, ihn endgültig zu vergessen, und trifft sich mit ihrem neuen Kollegen Andreas. Als sie eines Abends mit ihm zu dem gleichen Tango tanzt wie in Moskau mit Maksim, wird ihr klar, dass sie ihn nicht vergessen kann. Carolin setzt alles auf eine Karte: Sie hofft, dass ihre Liebe vielleicht eine Chance hat, wenn sie mehr Zeit miteinander verbringen könnten und bewirbt sich auf eine Stelle in der russischen Dependance des Verlags, in dem sie momentan arbeitet.

Maksim empfängt sie am Flughafen und fährt mit ihr auf die Familien-Datscha, wo auch Sonja Maksims Nähe sucht und behauptet, sie wären wieder zusammen. Auf Carolins Drängen hin offenbart er ihr, dass er als Baby adoptiert wurde und deshalb Bindungsängste hat. Sie weiß den Vertrauensbeweis zu schätzen und gibt ihm eine weitere Chance. In einer von schweren Gewittern begleiteten Sommernacht kann er sich Carolin endlich ganz öffnen.

Atmosphärisch und einfühlsam erzählt Stephanie Kuhlmann Carolins russische (Liebes-) Geschichte, in der ein persönliches Geheimnis, ein liebenswerter, aber schrecklicher Draufgänger namens Dima und die temperamentvolle Russin Sonja für einige Turbulenzen sorgen - aber schließlich gibt es für alle ein hoffnungsvolles Ende!